Direkt zum Hauptbereich

Posts

Nackte Fee im Kindergarten

"Mama, ich möchte als Fee zum Fasching gehen.“ „Okeh.“ „Du brauchst auch nur gaaaaanz wenig Stoff für das Kostüm!“ „?“

Es ist geradenoch Alaafzeit, da darf ich den Text so anfangen, um zu obigem Foto hinzuleiten. In einem Discounter liefen mir diese zwei Puzzle über den Weg. Ritter Victor soll, laut Packungsaufschrift, die dreijährigen Dreikäsehochs begeistern. Die Fee Tosca ist mit ihren Feefreundinnen unterwegs. Deren Namen allesamt so rosa klangen, dass ich sie nach dem Lesen erfolgreich gelöscht habe. Sie trägt modebewusst, um ihren feenhaft grazilen Körper zur Geltung zu bringen, eine Corsage und Blütenblätter. 
Und hält eine Eichel in den Händen. Eine Eichel. „Guck, und wenn die die Eichel wegschmeißt, stehen die Blütenblätter hoch wie ein Tutu und man sieht, dass sie gar nichts drunter hat“, sagt K. Ich bin ein bisschen sprachlos. Man sieht dank der deutlichen Zeichnung auf der Packung, dass die unter dem Blütenblatt einen nackten Hintern hat. Das reimt sich sogar.
Waszur…
Letzte Posts

Dann wird sie halt 'ne Solarium-Ische

"Was machen wir eigentlich, wenn sie 'ne Solarium-Ische wird?", fragt K. Ihr Mann guckt. In seinen Augen blitzt kurz Panik auf, dann lächelt er. Und sagt, fast zeitgleich mit K., "dann is dit so.".Weder K. noch ich wissen, was eine Solarium-Ische ist. Donald Trump vielleicht. Dieses Gespräch ist mittlerweile rund ein Jahr her, sein Anlass kann mittlerweile laufen, ist aber noch weit davon entfernt, Berufswünsche zu äußern. Mein eigener Anlass für derlei Überlegungen übt sich zur Zeit im Laufen lernen und wenn es nach Freunden und Familie ginge, wird sie entweder Model/Basketballspielerin (wegen der Größe), oder Hebamme oder Schlagzeugerin oder ... Nunja. Was man eben so rein interpretiert in große Füße und lange Finger und ein Faible für hohe Klänge bzw Klaviermusik.Aber selbst wenn sie ein Nagelstudio aufmachen möchte (und Plasteanklebe-Lounges sind m.E. Ausgeburten der Hölle), dann: is dit so. Noch, vermutlich muss ich "noch" sagen, fällt mir diese …

Brei kochen ist wichtiger als Texte schreiben

Ich fühle mich wie mein eigenes Klischee.

Das Kind schläft, Essen ist fertig, die Wäsche hängt, die Spülmaschine ist leer, die Plätzchenetagere ist gefüllt, der Weihnachtsstern hängt. Der Mann ist vor einer halben Stunde zur Arbeit gefahren. – Diese Sätze könnte ich seit sieben Monaten mehr oder weniger jeden Abend schreiben. Change the time of his departure and that's it. Auf Netflix läuft irgendwas belangloses, White Noise so my brain stays on the topic.

Plätzchen gibt's diesmal ohne Heavy Metal, dafür mit Babygekiekse. Hat einen anderen Frequenzbereich, kann aber ähnlich toll oder störend sein.

Seit vielleicht zwei Wochen habe ich mich (endlich) mit diesem seltsamen Zustand Elternzeit arrangiert. Und gucke eher unruhig auf das nächste Frühjahr, wenn ich wieder in die Redaktion muss. Ich soll mein Kind jeden Morgen abgeben. Absurd grade, die Vorstellung. Ich habe ja noch nicht mal einen Kitaplatz. Meine Friseurin erzählt mir jedes Mal, ich soll einen Brandbrief an den Senat …

Sonntagsbrötchen. #NoG20 aftermath

Sonntagmorgen. Draußen zwitscherts. Kirchturmglocken läuten. Das Kind rülpst auf meiner Schulter und strahlt mit der Sonne um die Wette. Ich gehe auf meinen kakelbunt beblühten Balkon, Temperatur testen. Unten rauschen ein paar Autos vorbei. Ich schnalle mir das Kind um, der Mann schnarcht noch ein bisschen. Der Weg zum Bäcker ist bevölkert von Spatzen, alten Frauen und jungen Männern und mittelalten Pärchen mit Hundeleinen, Brötchentüten oder Kindern in der Hand. Heile Welt.

Der Bäcker selbst ist mit seinem spärlich leckeren Angebot fast antikapitalistisch zu nennen. Wer nach neun Uhr dreißig kommt, kriegt nüscht mehr. Mitten in Berlin, Samstags wie Sonntags. Den Bäcker gibts hier schon immer. Und immer liegen hier die Samstags- und Sonntagszeitungen. Die mit den rotweißen Logos und ein paar Berliner. Gestern war der Zeitungstisch rotgülden, so leuchteten von allen Titelseiten die Feuerfotos aus Hamburg. Heute sind die Bilder gräulich verdreckt: Blicke in die geplünde…

Despite the negative press covfefe

Ich habe zur Zeit die Aufmerksamkeitsspanne undoder Konzentrationsfähigkeit eines Faultiers auf Crack. oder Speed. Oder was auch immer passt zu diesem Bild. Ich kann von einem Moment auf den nächsten von Zeitlupentempo (weil müde, endlich mal frei oder müde) umschalten auf hochkonzentrierte oder genervte Eile (endlich mal frei oder müde). Respektive: werde geschaltet.

Ich schaffe Fünfzeiler. Zu total spannenden Themen.
Das Internet ist voll mit Elternblogs und Onlinemagazinen mit Ernährungstipps für Säuglinge und Einschlafhilfen für zahnende Kleinkinder. Je nach Filterbubble ist da wohl jede und jeder versorgt mit Kackeberichten anderer erziehungsberechtiger Menschen oder empörten Buchstabensammlungen rund um Biobaumwolle und ausverkaufte Frischkornmilch. (Dieses Wort habe ich neulich lernen müssen, Schnappatmungsanfall inklusive. Ernährungsfanatiker, die Babys gequollenes Mehl mit Honig und roher Milch und Schimmelpilzmandeln füttern wollen. Nur ein kleines bisschen Schnappatmung is…

Fremdschämen

Mario Barth, Held aller unterjochten Feinde der Leitmedien, Verächter der Daoben, der politischen Elite, die halbe Autobahnbrücken für Wildtiere baut und bescheuerte EU-Normen für Pizzen festlegt, nur damit Herr Barth waschechten und hochkarätigen "Enthüllungsjournalismus" betreiben kann.

Für den bekommt er dann Applaus von Menschen, die in ihren Wohnzimmern zwischen Autobild und Katzenbaum sitzen, oder grade auf dem Handy die neuesten Kommentare unter ihrem "bei uns haben schon wieder diese Asylanten die Schaukel auf dem Spielplatz besetzt"-Post lesen.

Der Mann, der Erfolg hat mit Sprüchen, die mit dem Genre "Comedy" so viel zu tun haben, wie ein Ballermanntrip mit einer kulturhistorischer Bildungsreise, dieser Mensch also wollte sich neulich die Proteste gegen Trump angucken. Und stellt sich morgens vor den Trumptower, nur um kichernd sich zu echauffieren, dass da gar keine Demonstranten sind. Verrrückt! Morgens! Keine Demonstranten!!11! So 1 Ding!

Für …

Fremd lesen

Oktober 2016. "Was werden unsere Kinder mal sagen, wenn sie in die Geschichtsbücher gucken und nachlesen, was da los war, in den 10er Jahren." Schreibt C. in einer Mail. In nicht mal zwei Wochen wird in den U.S. of A. gewählt. Zur Wahl stehen ein Gruselclown und Hillary Clinton. Letztere könnte dadrüben ein weiteres "Erstes Mal" sein: Nach dem ersten schwarzen Präsidenten die erste Frau im Oval Office.

Donald Trump, der Gruselclown, zu Beginn nicht ernst genommen, nun reale Gefahr, hat allen Ernstes Aussichten, zum Leader of the free World zu werden. Ich hab schon keine Lust mehr, diese Tatsache zu kommentieren und werde mich erst recht mit Spekulationen zurück halten. Die schreibende Zunft, Profi wie selbsternannter Experte, zerreißt sich ausgiebig genug das Maul, debattiert seitenlange Auflistungen von Pro und Contra, Analyse und zählt die Bernie-Fans, die Sanders wählen wollten und nun mit Absicht nicht wählen gehen, weil sie ja Hillary nie wollten. Unter andere…