Thursday, February 23, 2006

Wogegen? - Es war einmal im Juni 2005

Schweinswürste und Rindersteaks auf dem Protestgrill...Auf dem Rasen vor dem Hörsaalgebäude stehen Zelte. Campen gegen die Studiengebühren ist angesagt. Wer gegen die Gebühren ist, darf protestieren. Sogar öffentlich und ohne anonyme Flugzettel in der Uni verteilen zu müssen, was dennoch geschieht.

Am Bodensee gibt es keinen Krieg und keine sit ins, die Atomwaffentests finden woanders statt und auch die Castoren rollen hier nicht vorbei. Studenten unter Transparenten mit Aufschriften wie „Lieber heute aktiv, als morgen radioaktiv“, kennt man bloß aus GeWi-Seminaren. Zurzeit sind es ‚nur’ die umstrittenen Studiengebühren, gegen die sich Unmut regt. Während sich die einen davon gefüllte Staatskassen versprechen hoffen die anderen auf Eliteunis. Intelligenz = Money is not the Problem?

Es gibt Vertreter beider Lager an der Uni - aber keine Diskussionen oder gar hitzige Auseinandersetzungen. Die Hochschule habe ich bisher nicht als ein Forum für Debatten über das, Gesellschaft und Wirtschaft bewegt, erfahren.Klar, es wird diskutiert. Doch die Themen sind andere. Zum Beispiel der Unterschied zwischen Ost und West. Das man als Westler ja nicht mal mehr in den Osten muss, um Spargel zu kaufen. Die Ossis kommen ja jetzt sogar in die Hauptstadt. Und die is ja jetzt West’n. Wenn mal über Politik gesprochen wird, hört sich das ungefähr so an: Ja, na klar, wennse den Fischer absägen, is das schon blöd, das können die nicht machen, Mann, dann geht ja hier alles den Bach runter. Oder: nee, klar, is schon nich so geil, aber ich mein, was issn auch der Unterschied zwischen der Merkel und Schröder. Kann sich so anhören.
Aber wo sind eigentlich die Plakate, die zu Versammlungen gegen Kürzungen, Demonstrationen gegen rechts und gegen Einsparungen aufrufen? Man gehe den verrauchten AStA-Gang hinunter, trete durch die Glastüre und sehe: stets junge Menschen, emsig dicke Pinsel schwingend und auf riesige Banner mit roter Farbe schreibend. Doch wenn man dann später aus dem Seminar kommt, sieht man die Plakate zur Uniparty, zum AStA-Kino und zum CD-Verkauf nächste Woche aufrufen.

Als ich nach der Vorlesung, es geht auf 20 Uhr zu, das R-Gebäude verlasse, schlägt mir dicker Rauch entgegen. Die Protest-Camper grillen. Was? Wahrscheinlich am liebsten die Hinterteile von bestimmten Politikern und Beamten, vielleicht sogar Hochschuldirektoren, die zurzeit im Rampenlicht stehen. Doch es gibt Rindersteaks und Schweinswürste. Auf dem Rasen stehen vielleicht fünfzehn, zwanzig Zelte. Und Studenten. Die harren doch tatsächlich hier aus.

Ich drehe ihnen den Rücken zu und gehe zum Bus. Unterschrieben hab ich shcon letzte Woche.

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