Monday, May 29, 2006

szi - vier

Samurai, japanisch für “Dienender”, waren zu Beginn das “bewaffnete Begleitpersonal des Adels“, später bildeten sie eine eigene Kriegerkaste. Sie hatten das Recht, zwei Schwerter zu tragen und folgten dem Bushido, dem Ehrenkodex. Im 17. Jahrhundert gehörten die Samurai zur obersten Klasse in der Sozialordnung.1

Die Religion der Samurai ist Zen. Die gesellschaftlichen Klassen Japans lassen sich in der Aufteilung der buddhistischen Schulen festmachen: „Tendai für das Kaiserhaus, Shingon für den Adel, Zen für die Kriegerklasse und Jodo für die Menge.“2

Von meinem Fenster aus habe ich Blick in den Garten meiner Nachbarn. Selbige haben einen Sohn, Nikolas. Und für eben diesen wurde vor einigen Jahren dieses Holzhaus errichtet und betitelt. „Samuraihaus Niko = Harmonie/Frieden“. (siehe Foto) Harmonie und Frieden steht über, bzw. unter dem Schriftzeichen geschrieben.

Niko ist ca. neun Jahre alt und seinem Samuraihaus anscheinend entwachsen. Zumindest wird das Pfahlhaus zur Zeit eher als Abstellplatz für diverse Gummitiere und Gartenstühle denn als Spielwiese für Samuraischaukämpfe oder die Zelebrierung japanischer Lebensart verwendet.

Das Foto zeigt ein ‚Samuraihaus’, aufgenommen von Urs Christian Guggisberg während einer Fahrradtour durch Japan im Jahr 2001.3

Die einzige Gemeinsamkeit zwischen den beiden „Häusern eines Samurai“ besteht vermutlich im Baumaterial Holz.

Schon vor ein paar Wochen fiel mir ein Comic aus frühen Kindertagen, genauer die Bilderzeitschrift „Mosaik“ wieder ein. Die Geschichten drehen sich um die drei Abrafaxe, die in aller Herren Länder in allen Zeiten allerlei Abenteuer erleben. In den Erscheinungsjahren 89-91 reisen Califax, Brabax und Abrax durch Japan.

Mein Bruder, früher ein eifriger Mosaikleser, sammelte die Hefte in diesen Jahren nicht mehr regelmäßig, so dass mir nur fünf Hefte der Japanreise zur Verfügung stehen, genauer die Hefte 5, sowie 7 bis 9 und 10 des Jahres 1990.

Die Abrafaxe schließen dort Freundschaft mit dem Dichter Yamato, welcher wegen schwerer Majestätsbeleidigung in Ungnade gefallen und vom Hofe verbannt wurde, sowie mit den ehrenwerten Samuraikriegern und geraten im Kampf gegen die Mongolen zwischen die Fronten. Genauer sind es vier mongolische Krieger, die so klingenden Namen wie Rum Nöle, Ket Shup und Ragu Feng tragen.
Die Frauen im Mosaik’schen Japan tragen Namen wie Sakura, Mitsekaze und Fräulein Kokamonin, die Männer heißen Fudjikato, Wei Sung, Kushiduki, Kaoti und Halunki.

Im Mosaik kämpft stets Gut gegen Böse, die Abrafaxe stets auf der Seite des Guten, die sich in jedem neuen Land neue Freunde - und Feinde machen.
Die Samurai treten als Gefährten des Dichters Yamato au
f. Es wird deutlich, dass sie die Krieger des Kaisers sind, trotzdem stehen sie dem in Ungnade Gefallenene zur Seite.
Ebenso gibt es Samurai, die den örtlichen Beamten zu
r Verfügung stehen und ‚Arbeiter’ für „Ruki Suzuki“ zusammentreiben.

Die Art und Weise der Adaption der japanischen Kultur im „Mosaik“ kann wohl als eine ironische und oder freundlich spöttelnde beschrieben werden.

Um einen Vergleich anzustellen, wie das „Mosaik“ mit anderen Kulturen umgeht, in welche es die Abrafaxe verschlägt, fehlen mir zur Zeit die Hefte. Ich kann jedoch auf eines der ersten China-Hefte verweisen.
In Heft Nr.3 des Jahres 1991 halten sich die Abrafa
xe in China auf. Dort wird beispielsweise Konfuse genannt. Per Fußnote wird auf den „chinesischen Philosoph Kong Fuzi“4 verwiesen, sowie seine Lebensdaten angegeben. Des weiteren gibt es den Meister Ping Sel und den jungen Li, der mit Salzschmuggel in Chinas Hauptstadt „Dadu“ sein Glück versucht. (Laut dem Mosaik wird „Dadu“ später „Beijing“, bzw. „Peking“)

Das Mosaik hat mir schon früh einen zwar verzerrten, jedoch intensiven Eindruck der östlichen Welt vermittelt. Das letzte Mal, das ich diese Hefte in den Händen hielt ist ca. 14, 15 Jahre her und doch sind mir die Comics sofort eingefallen und ich war mir sicher, dass die Abrafaxe in Japan waren.

Eine andere Geschichte aus Kindertagen, die mir zur gleichen Zeit einfiel, ist die der „Muschelfee“5 – jedoch als ich das dünne Buch dann in den Händen hielt, stellte sie sich als chinesisches, nicht japansiches Volksmärchen heraus.

Zuletzt möchte ich auf ein Stückchen Japan kommen, dass ich übernommen und verinnerlichte habe: Ein Absatz aus dem im vorigen Artikel erwähnten „Hagakure“. Kennengelernt habe ich „Den Weg des Samurai“ durch Jarmushs „Ghostdog“. Nun kann ich mit den Lehren, wie man(n) zu einem Dasein ohne Furcht vor dem Tod und Hoffnung auf ein Leben nach selbigem gelangt nicht viel anfangen, jedoch gibt es einen Absatz, mit dem ich sehr einverstanden bin und der mir persönlich viel bringt und bedeutet, ohne den gesamten Hagakure befolgen zu müssen:

“When meeting with a sudden shower, you try not to get wet and run quickly along the road. But doing such things as passing under the eaves of houses, you still get wet. When you are resolved from the beginning, you will not be perplexed, though you still get the same soaking. This understanding extends to everything.6


1 Microsoft Enacrta Standard 2003

2 Suzuki, Daisetz Teitaro.: Zen und die Kultur Japans, 1941, Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart

3 http://www.to-urs.ch/fotos/fotos_japan.html

4 Verlag Junge Welt GmbH, Hrsg.: Mosaik Nr. 3, 1991, Berlin

5 Die Muschelfee in: Märchen aus aller Welt, Artia Prag, 1966, Deutsch von V. Cífková, printed by Polygrafia

6 Jim Jarmush: Ghostdog: ge The Way of the Samurai, 1999, http://www.imdb.com/title/tt0165798/quotes

http://de.wikipedia.org/wiki/Abrafaxe

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