Direkt zum Hauptbereich

Posts

Es werden Posts vom 2015 angezeigt.

Fuck off, Faschos.

Dies ist eine Notiz. Für mich selbst, und vielleicht auch für all die, die sich in absurdesten Momenten mit Faschos, Nazis, Neonazis, Rassisten und ähnlichem konfrontiert sehen und nicht jedes Mal gewillt sind, (verbal) Krawall zu schlagen.
Vergesst die gute Kinderstube. Vergesst die Höflichkeit, vergesst jedes "vielleicht meint der das ja nicht so".

Doch. Die meinen das so. Immer. Und jedes Schweigen der Menschen, die ihnen gegenübestehen hilft ihnen. Ermuntert sie, bestätigt sie.


Anlass für diesen Post ist ein Erlebnis am Halloweenabend. Ich durfte mich tatsächlich gruseln. Unter den Gästen der (leider privaten, sonst wäre eine Anzeige so schön einfach) Party rannte eine Person in graugrüner Uniformjacke herum. Auch ich bin gut im Wegsehen, deswegen hab ich das erstmal ignoriert.

Bis er direkt vor mir stand, der Wehrmachtssoldat, komplett mit schwarzen Handschuhen und Pistolenholster am Gürtel. Und ich auf seiner Uniformjacke fünf Abzeichen, ein jedes inklusive Hakenkreu…

Eins, zwei Kartoffelbrei

Über den Thermomix, den Superdildo der deutschen Hausfrau.


Herauszufinden, was sie kostet,die Zukunft des deutschen Volkes die eierlegende Wollmilchsau der deutschen Küche, ist schwer. Blümchen in allen Varianten zum Draufkleben kosten um die 20 Euro, das kriegt man sofort raus. 

Die Info, dass dieses Teil für den Schnäppchenpreis einer zweiwöchigen Reise an die mallorquinische Küste (zwei Personen, Vollpension, Flug inklusive) zu haben ist, die muss man eine Weile suchen. Etwa tausend Euro kostet das Gerät, von dem in diesem Blogeintrag die Rede ist. Tausend Euro. Damit die teutsche Hausfrau von heute Kartoffelbrei zubereiten kann. Kartoffelbrei. Kartoffelbrei!? Bestellen kann man das Gerät nicht so einfach. Man muss online ein Formular ausfüllen und dann wird man angerufen. Wahrscheinlich fragen einen die »Kundenbetreuer« dann, wie man Kartoffelbrei zubereitet. Wer was von »Kartoffeln in Scheiben schneiden« stammelt, kriegt bestimmt sofort einen zugeschickt. Auf Ratenzahl…

It's a humanitarian catastrophe

Vor ein paar Wochen waren es die hunderte von Geflüchteten, die die Berliner Schlagzeilen und Newsticker füllten. Nachdem beinahe im Wochenrhythmus gesunkene Flüchtlingsboote die Plätze auf Titelseiten belegten, immerhin: Lebende Menschen. Eine Zeitlang schien es, als wäre die humanitäre Katastrophe wenigstens hierzulande eine von fehlenden Zelten, Decken, Lebensmitteln, Schlafplätzen und mit zu vielen Neonazis, Rassisten und besorgten Wutbürgern. Dann folgten die Nachrichten aus Griechenland, aus Budapest, aus Mazedonien. Den Worten folgten Bilder, von schreienden Kindern, die von Polizeischilden plattgedrückt werden und von Zäunen aus Natodraht.Vom Lkw, aus dem tote Flüchtlinge stanken.

25 Jahre offenes Europa. Auf dem Zug, in den sich zahllose Asylsuchende quetschen, prangt in diversen Sprachen die Gedenkwerbung für 25 Jahre Mauerfall. Wir leben in einem Land, in dem es keine Grenzen gibt, in dem alle reisen dürfen und in dem es Arbeit für alle gibt. Die Betonung liegt auf dem Wor…

Der Zweirad-Softie aus Athen

Die Westentaschenpsychologie des »Spiegels« über Yanis Varoufakis und sein Motorrad:»Sag mir, was du fährst und ich sage dir, was für ein Mensch du bist«, dachte sich Spiegel-Redakteur Christian Wüst. Yanis Varoufakis attestierte er, ein falscher Rebell zu sein, weil er kein »bemerkenswertes Motorrad« fahre.  Dieser Text ist zuerst auf nd-online.de erschienen. 

Ganz hinten, auf Seite 115 unter einer Bildmeldung über poppende Leuchtkäfer, steht der Kommentar »Vergurktes Leben« des Automechanikers bzw. Wissenschaft&Technologie-Redakteurs Christian Wüst. Untertitel: »Das Motorrad von Yanis Varoufakis entlarvt ihn als falschen Rebellen«. Das Griechenlandthema der aktuellen Ausgabe des »Spiegel« (die mit dem Cover, das nur lustig wäre, schmückte es die Titanic) findet weiter vorn statt. Die Redaktion selbst fand den Kommentar schon zu schlecht, als dass sie ihn ins Thema einbetten wollte. Schlechtes Omen.

Wüst meint also, Varoufakis Motorrad entlarve ihn als »falschen Rebellen«…

künstlerfamilie

schwesterfreundin bereitet ostern vor.  (weil meine kamera derzeit nicht in reichweite ist,  müssen handybilder vorerst ausreichen. abende gemeinsam mit der verzierung von hohlkörpern zu verbringen, war der plan. nachdem sie mit meinem ei, dem drachen-eye, fertig war,  habe ich das abgelehnt. abende verbringen wir gemeinsam.  aber ich fasse nichts an.)








to be continued...




one for sorrow, ...

... two for joy. 

for the first time ever, there are two magpies teetering through the grass in front of my office. two, not one. as I walk past them, one flies away. 

one for sorrow, two for joy. I always thought that saying is a confirmation of someone's mental state, not some hint on the future. fuck off, superstition. i was wrong, obviously. since that one bird crossed my way every morning for months now. when I was dancing down the path. so to speak. singing in the rain. grinning, smiling my way through hipsters, clubber's puke and stinking train station's back streets. one bird.

now that there should be one, there are two. greetings, superstition, old friend. long time no see. this one time you got through to me, please enjoy your coffee break and off you go.





Immer feste druff

Verbal kommunizierter Sexismus und handfeste Übergriffe sind zwei Paar Schuhe. Ersteres gewohnt zu sein schützt nicht vor Sprachlosigkeit nach Erleben von zweiterem.  Dieser Text ist zuerst auf meinem Blog beim neuen deutschland erschienen.  Vor einer ganzen Weile habe ich in diesem Blog geschrieben, dass in meinem Alltag verbaler Sexismus völlig normal ist. Daran bin ich gewöhnt, auch in einem »linken« Umfeld. Männerberuf, 21. Jahrhundert, Altherrenwitz, bla. So normal das ist, so normal war es für mich auch, mich im Berufsalltag in einem Raum zu bewegen, in dem ich von handgreiflichen Übergriffen verschont bleibe. Bis gestern. Als ich vor einem Kollegen ein Büro verlasse, haut er mit seinem Klemmbrett auf meinen Hintern. Als lustige »Bestrafung« dafür, dass ich ein Redaktionsmeeting verpasst habe.

Auf mein trotz sofortiger Verwirrung im Kopf rausgepamptes »Ey! Geht gar nicht« hin entschuldigt er sich. Die Tatsache, dass in diesem Wort noch das Grinsen ob der ja so lust…

Tempo 30

Dreißig werden ist nicht schwer, älter werden dagegen ... ?

(Dieser Text ist zuerst auf nd-online.de erschienen.)



Vom Waschbeckenboden leuchtet mir ein Tempo dreißig Schild entgegen. Rund, schwarzweiß mit rotem Rand. Seit gestern Abend steckt das da obwohl ich nichts mit Nummern drauf haben wollte. Ich bin kurzsichtig. Der Stöpsel zeigt kein Verkehrszeichen, aber morgens beim Zähneputzen habe ich keine Brille auf. Kann also das Happy Birthday nicht lesen, weil es viel zu klein im roten Rand steht.

Tempo dreißig war noch nie meine Stärke. Morgens, direkt nach dem Weckerklingeln bewege ich mich mit der schnellen Eleganz eines Faultieres auf Baldriandiät. Abgesehen davon bewege ich mich eher auf der gepflegten Mittelspur. Überholmanöver wollen gut durchdacht sein und verbrauchen Treibstoff, ich bin kein Raser. Ich gucke also diese Verkehrszeichenjubiläumsdreißig an und überlege, was sie mir sagen will. »Ich bin ein Stöpsel«, wäre wohl das Naheliegendste.

Dreißig. Die Luftschlangen…

ohne titel.

»Wir sitzen im Café Central - Georg, Willy und ich. (...) »Aufstehen!« brüllen plötzlich ein paar jugendliche Stimmen hinter uns. Eine Anzahl Gäste schnellt schneidig von den Tischen hoch. Die Cafékapelle spielt »Deutschland, Deutschland über alles«. Es ist das vierte Mal heute abend. Es ist nicht die Kapelle, die so nationalistisch ist, auch nicht der Wirt. Es ist eine Anzahl junger Radaubrüder, die sich wichtig machen wollen. Alle halbe Stunde geht einer zur Kapelle und bestellt die Nationalhymne. »Aufstehen!« schallt es dann jedes mal von allen Seiten, denn beim Klang der Nationalhymne erhebt man sich von seinen Sitzen, besonders, wenn sie Millionen Tote und einen verlorenen Krieg eingebracht hat. »Aufstehen!« schreit mir ein etwa siebzehnjähriger Lümmel zu, der bei ende des Krieges nicht mehr als zwölf Jahre alt gewesen sein kann.
»Leck mich am Arsch«, erwidere ich, »und geh zurück in die Schule.«
»Bolschewist!«, schreit der Junge, der sicher noch nicht einmal weiß, was das ist. »…

Familienwandel IV. Gesprächsnotizen, Gedankenfetzen.

»Vielleicht sind wir die erste Generation, die die Trennung von (der vormals natürlichen) Reproduktion und Sex bewusst ausnutzen kann. Die Trennung gibt es ja seit 100 Jahren«, sagt S. und streut Mehl auf die Arbeitsplatte. Pelmenisubbotnik.

Wir, das sind an diesem Abend Frauen um die dreißig. Seit einer Weile dreht sich unser Gespräch zwischen Bier trinken, Teig rollen und Hackfleisch kneten um die Frage, wieso Schwanger sein heute nichts »normales« mehr ist. Wieso eine Schwangerschaft von so vielen wie eine langwierige, ernste und schwere Krankheit, oder eine Auffälligkeit im Charakter behandelt wird, betrachtet man die Frequenz der Arztbesuche und die Nummer von Ratgebern, die einer ans Herz gelegt werden, sobald frau auch nur laut darüber nachdenkt, ein Kind in die Welt zu setzen. Und was man dem entgegen setzen kann

Wie sich wehren gegen diese Flut von virtuell breitgetretenen Müttergeschichten: über Kinderkacke und -kotze, Tritte im Bauch, Tritte von Trotzköpfen gegen das mütterli…

mein leben eine kunstpostkarte, s/w, a5, mattdruck, 160gr. motiv: arbeitswelt 20er jahre, retro. Realitätsflucht.

Ich will einen Sekretär. Einen, der in Bundfaltenhose und gestreiftem Hemd mit Weste darüber, Schmalzlocke in der Stirn und mit aufmerksamem Blick aus blaugrauen Augen auf einem der zwei Gaststühle in meinem Büro sitzt. Die Stühle stehen vor meinem riesigen Schreibtisch, Walnuss massiv, den ich von meinem Vorgänger erben musste. Mittlerweile mag ich den Tisch sehr. Ich stehe vor einem ebenso riesigen Fenster, in der rechten Hand eine Zigarette, die linke Hand in der Hosentasche meiner schwarzen Cordschlaghose. Zigarettenspitzen mochte ich noch nie. Von der Zigarette steigt schnurgerade weißer Rauch auf. An einer Wand hängt eine fünf mal sechs Meter große Berlin Karte. An der anderen Malewitschs Schwarzes Quadrat, Nuria Quevedos Kuss und eine sibirische Landschaft in ähnlichen Farbtönen wie der Kuss. Malewitsch in der Mitte. Bücherregale gibt es auch, aber die sind aus diesem Aufnahmewinkel so wenig zu sehen wie all die Farben. Der Winterhimmel draußen, die Meeraugen, Sibirien. Der Sek…