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Posts

Es werden Posts vom 2016 angezeigt.

Fremdschämen

Mario Barth, Held aller unterjochten Feinde der Leitmedien, Verächter der Daoben, der politischen Elite, die halbe Autobahnbrücken für Wildtiere baut und bescheuerte EU-Normen für Pizzen festlegt, nur damit Herr Barth waschechten und hochkarätigen "Enthüllungsjournalismus" betreiben kann.

Für den bekommt er dann Applaus von Menschen, die in ihren Wohnzimmern zwischen Autobild und Katzenbaum sitzen, oder grade auf dem Handy die neuesten Kommentare unter ihrem "bei uns haben schon wieder diese Asylanten die Schaukel auf dem Spielplatz besetzt"-Post lesen.

Der Mann, der Erfolg hat mit Sprüchen, die mit dem Genre "Comedy" so viel zu tun haben, wie ein Ballermanntrip mit einer kulturhistorischer Bildungsreise, dieser Mensch also wollte sich neulich die Proteste gegen Trump angucken. Und stellt sich morgens vor den Trumptower, nur um kichernd sich zu echauffieren, dass da gar keine Demonstranten sind. Verrrückt! Morgens! Keine Demonstranten!!11! So 1 Ding!

Für …

Fremd lesen

Oktober 2016. "Was werden unsere Kinder mal sagen, wenn sie in die Geschichtsbücher gucken und nachlesen, was da los war, in den 10er Jahren." Schreibt C. in einer Mail. In nicht mal zwei Wochen wird in den U.S. of A. gewählt. Zur Wahl stehen ein Gruselclown und Hillary Clinton. Letztere könnte dadrüben ein weiteres "Erstes Mal" sein: Nach dem ersten schwarzen Präsidenten die erste Frau im Oval Office.

Donald Trump, der Gruselclown, zu Beginn nicht ernst genommen, nun reale Gefahr, hat allen Ernstes Aussichten, zum Leader of the free World zu werden. Ich hab schon keine Lust mehr, diese Tatsache zu kommentieren und werde mich erst recht mit Spekulationen zurück halten. Die schreibende Zunft, Profi wie selbsternannter Experte, zerreißt sich ausgiebig genug das Maul, debattiert seitenlange Auflistungen von Pro und Contra, Analyse und zählt die Bernie-Fans, die Sanders wählen wollten und nun mit Absicht nicht wählen gehen, weil sie ja Hillary nie wollten. Unter andere…

Ein Telefonprotokoll.

neues deutschland, Sarah Liebigt,
Guten Tag?


Schön' guten Tag
ich wollte die Frau Grahl im Sport sprechen
aber die ist wohl nicht da?


Sie sind im Berlinressort gelandet. Vielleicht kann ich Ihnen ja weiterhelfen,
worum geht’s denn?


Ja, ick habe da beim Sportquiz mitgemacht,
und nu wollt ich mich beschweren.


… Was denn für ein Sportquiz?


Na, ick habe das geguckt
und alle Fragen richtig beantwortet
und dann habe ich da angerufen
und wollte denen das sagen mit den Lokomotiven
und dann haben die mich gar nicht zu Wort kommen lassen
und gesagt, alles sei falsch
obwohl ich noch gar nichts gesagt hab
und dann wolltense ma ne Reise verkoofen.


Haben Sie das im Fernsehen gesehen,
das Quiz?


Ja.


Sie haben aber bei einer Tageszeitung
angerufen, mit dem Quiz haben
wir gar nichts zu tun.


Aber Sie müssen det doch irgendwo her kriegen.


Sieben

Seit bald sieben Monaten bin ich keine Journalistin mehr. Vor fast genau einem Jahr habe ich meinen Traumberuf mental an den Nagel gehängt. Aus so vielen Gründen. Privatleben haben. Freie Wochenenden, freie Feiertage. Bisschen mehr Gehalt. Einen Job haben, den ich nicht mit nach Hause nehme, der meine Samstage nicht mit Demos, Parteitagen, und Konferenzen vollstopft, oder meine Abende mit Debattenrunden in offiziellem oder semioffiziellem Kreis. Ich wollte wieder in Kneipen und Küchen sitzen, ohne ständig darüber nachzudenken, was ich aus den stadtpolitischen Äußerungen von Freund X machen könnte, welche Geschichte wohl hinter den Erzählungen von der Bekannten Y steckt. Nicht mehr vom Aufstehen an an Twitter, Facebook, Agentur-Newsstream und Emails hängen. 

Soweit ein Abriss. Sieben Jahre sind viel. Sieben Jahre auf verschiedenen Positionen, mit unterschiedlichen Anforderungen. Sieben Jahre literweise Herzblut, zentnerweise Energie verbrannt im Brennen für diesen Beruf …

Lilac Friday

»Sie haben da so Abnutzungsknubbel«, sagt der Arzt und drückt auf meinem großen Zeh herum. »Sie dürfen sich nicht mehr einfach so hinhocken«, mahnt er und geht geschmeidig in die Knie, um zu demonstrieren, wie ich meinen Fuß künftig nicht mehr abknicken soll. Was er dann macht, um zu zeigen, wie ich meinen Fuß stattdessen bewegen soll, mutet selbst in seiner eierschaleweißen Eleganz (Haare und Kleidung) seltsam an, wie sieht das denn dann erst bei mir aus?

Nachdem ich mir also Einlagen bestellt habe, die »die Abrollbewegung abfedern« sollen, sich aber so anfühlen, als ob man denen überhaupt gar nicht mehr abrollen kann, will ich noch »schnell was einkaufen« gehen. Ich schätze, ich habe zu lange keine genervten Texte mehr über Menschen älteren Jahrgangs gelesen, die Rolltreppenenden, Kaufhallenkassenbänder und -flure blockieren. Die wie von einer tobenden Kinderhorde wahllos im Gang zusammen geschobenen Einkaufswagen sowie die sich traumtänzerisch langsam bewegenden Menschen um sie heru…

Title: no title.

It is an event as old as... as what exactly? as mankind? as the human race? truth is, I don't care. It's old, lets leave it at that. The event, being "death", is not as funny or as Terry Pratchett's I AM HERE. PLEASE COME WITH ME dude. Although I wish he'd be with my N. He'd be able to speak russian, I am sure. I wish he'd be the one to take her. 

For weeks now we've been waiting for that one call. That one call which is the first sentence in the last chapter of one's life. The last natural chapter does not begin with retirement or a stroke or a heart attack or the birth of grandchildren. The last chapter begins with the sentence "Mr/Mrs/Ms: Your father/mother/wife/husband died." Because dead people leave behind a paper trail. Flats to be emptied, Memories to be carefully rearranged or destroyed. Things to do for families - in the best case - or some institution, things to do before the direct impacts and palpable traces of their live…

Wider den #Geschlechterkampf

Zur Debatte, deren Auslöser die konzertierten Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln sind. Eine Antwort auf viele und auf einen Text im konkreten: „Wider den Furorteutonicus“ von Ingolf Bossenz. (nd vom 20.1.2016)
Eine Vorabbemerkung: Einen Debattenbeitrag zum Thema Sexismus, Gewalt und #Köln mit dem Papst beginnen zu lassen, könnte ein geschickter Kniff sein. Steht doch der Papst an der Spitze einer konservativen, patriarchalen Organisation, deren konservative, patriarchale Struktur #Sexismus, Ungerechtigkeit und Diskriminierung immanent sind. Diese Tatsache spielt allerdings keine Rolle, stattdessen geht es um Begrifflichkeiten. Aber das nur nebenbei. Zur Sache.
Es ist immer einfach, zur Bestätigung der eigenen Meinung Gegenargumente auszublenden oder ihnen schlichtweg die Existenz abzusprechen. Auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen: In der seinerzeit von Rainer Brüderles sexistischem Verhalten ausgelösten Aufschrei-Debatte wurde nicht ein einzelnes Ereignis aufgeblas…