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Dann wird sie halt 'ne Solarium-Ische

"Was machen wir eigentlich, wenn sie 'ne Solarium-Ische wird?", fragt K. Ihr Mann guckt. In seinen Augen blitzt kurz Panik auf, dann lächelt er. Und sagt, fast zeitgleich mit K., "dann is dit so.".

Weder K. noch ich wissen, was eine Solarium-Ische ist. Donald Trump vielleicht. Dieses Gespräch ist mittlerweile rund ein Jahr her, sein Anlass kann mittlerweile laufen, ist aber noch weit davon entfernt, Berufswünsche zu äußern.

Mein eigener Anlass für derlei Überlegungen übt sich zur Zeit im Laufen lernen und wenn es nach Freunden und Familie ginge, wird sie entweder Model/Basketballspielerin (wegen der Größe), oder Hebamme oder Schlagzeugerin oder ... Nunja. Was man eben so rein interpretiert in große Füße und lange Finger und ein Faible für hohe Klänge bzw Klaviermusik.

Aber selbst wenn sie ein Nagelstudio aufmachen möchte (und Plasteanklebe-Lounges sind m.E. Ausgeburten der Hölle), dann: is dit so. Noch, vermutlich muss ich "noch" sagen, fällt mir diese Gelassenheit sehr leicht. Ich bin verknallt über beide Ohren in meine Tochter, ich habe mir "lediglich" vorgenommen, ihr das Handwerkszeug mitzugeben, damit sie: sich und andere lieben kann, sich im Alltag behaupten, ihren geerbten Dickschhädel durchsetzen und mit Arschlöchern jeder Couleur umgehen kann. Sie soll mit großen wie kleinen Krisen umgehen können und für beide Fälle sowie zum fastimmer glücklich sein die richtigen Freunde finden.

Was ich nicht will, ist ein Kind, das nur die externe Festplatte um System seiner Eltern ist. Ein Kind ist ein eigener Mensch und nicht dazu da, die Ideen und Wünsche und Lebensideale seiner Eltern zu verwirklichen. "Kinder, die nur damit groß werden, für die Hoffnungen ihrer Eltern zu leben und zu arbeiten, brennen irgendwann durch", sagt D. In meinem Freundeskreis gibt es solche Kinder nicht, will ich froh erwidern, und das Gespräch auf hypothetische Bahnen lenken. Es gibt keine Kinder, die mit drei, vier Mandarin lernen müssen oder Schach. Die in der Grundschule parallel Nachhilfe in allen Fächern kriegen, Förderung und so. "Oder die in eine Spanische Kita geschickt werden, weil die Eltern die Sprache so toll finden", schimpft D. Ich gucke. Was? "Sprechen selber kein Wort spanisch, finden es aber total toll, wenn der Sohn auf dem Spielplatz auf Spanisch brabbelt."

Mir kommt ein Elternpaar in den Sinn, deren Kind in eine recht kleine Kita geht, die sich nicht z.B. durch viel Grün ringsrum auszeichnet, sondern durch eine Sauna. Es gibt einen Erzieher, dessen Qualifikation Expertise im "Kneippen" ist und einen Elterntag. In der Sauna. Andere empfehlen, die Kleinsten mit Mandelmilch oder Frischkornbrei mit Rohmilch und Honig zu füttern. Ein schwangeres Pärchen bricht den Kontakt zu Eltern ab, die nicht impfen. Andere legen ihrem sieben Monate alten Kind Apfelschnitze hin und betrachten das mehr durch Zufall erfolgte Dranrumgelutsche als vollwertige Mahlzeit.

Also doch. Es gibt sie, die schrägen Ansichten. "Mit welchen Erwartungen geht denn ein Kind, das aus einer Kita mit Sauna und Whirlpool kommt, in die Schule?" Fragt D. Eigene Spa-Landschaft zwischen Turnhalle und Schulgarten? Wir wissen keine Antwort. Man wird es sehen.

Weit entfernt sind jedoch solche Beispiele von denen der durch Ehrgeiz statt durch Liebe getriebenen Familienbeziehungen, hoffe ich.

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